Ignaz Semmelweis, der Retter der Mütter

Name: Dr. Ignaz Philipp Semmelweis (ungarisch: Semmelweis Ignác Fülöp)

Auch bekannt als: der Retter der Mütter; ein Mitbegründer der evidenzbasierten Medizin

Lebensdaten: 1. Juli 1818 in Buda bis 13. August 1865 in Oberdöbling bei Wien

In aller Kürze: Ignaz Semmelweis war Assistenzarzt an einer Gebärklinik in Wien. Er stellte fest, dass die Zahl der Frauen, die an Kindbettfieber sterben, sich drastisch verringern lässt, wenn sich die Geburtshelfer die Hände desinfizieren. So rettete er Millionen von Müttern das Leben.

Im Detail: Ignaz Semmelweis wurde in Ungarn geboren und wechselte schon während seines Studiums zwischen Österreich und Ungarn hin und her. Ab 1846 war er dann an der Entbindungsstation des Allgemeinen Krankenhauses in Wien tätig. Er war der Assistenzarzt der Abteilung. Und deshalb war ihm ein schauriges Problem sehr bewusst: In der Station verstarben zwischen fünf und fünfzehn Prozent der Mütter in den wenigen Wochen nach ihrer Entbindung, am sogenannten Kindbettfieber.

Doch er erkannte auch: Diese Zahl war nicht in Stein gemeißelt. In einigen Kliniken konnte sie noch höher liegen – bis zu 30 %. In der zweiten Abteilung des Klinikums dagegen, in dem keine Ärzte und Medizinstudenten arbeiteten, sondern Hebammen ausgebildet wurden, lagt die Sterblichkeitsrate viel niedriger. Semmelweis wollte die Ursache herausfinden und ließ die Mutter noch genauer untersuchen. Doch dadurch stieg die Sterblichkeit sogar noch weiter an. Die Ärzte mussten also etwas falsch machen, auch wenn sie das nicht hören wollten.

Doch was konnte die Ursache sein? Damals wusste noch niemand, dass Bakterien Krankheiten übertragen können. Aber Semmelweis bemerkte, dass die Ärzte nicht nur Geburtshilfe leisteten. Sie erprobten ihre Fertigkeiten auch durch Operationen an Leichen – genauer gesagt an den Leichen von Frauen, die an Kindbettfieber gestorben waren. Oft genug gingen sie direkt danach in die Entbindungsstation und behandelten die Frauen, ohne sich die Hände zu waschen oder gar zu desinfizieren. Dr. Semmelweis schloss daraus, sie könnten sich mit an der Hand klebenden Kadaverteilen überzogen haben. Dieses Leichengift könnte dann die werdenden Mütter infizieren. (Heute wissen wir, dass es in Wirklichkeit Bakterien waren.)

Der Assistenzarzt ordnete daher an, die Ärzte sollten ihre Hände und Instrumente mit Chlorkalk desinfizieren, nachdem sie mit Leichen gearbeitet hatten. Der Effekt war enorm. Innerhalb weniger Monate fielen die Sterblichkeitsraten um ca. zwei Drittel. Als Semmelweis dann noch herausfand, dass das Kindbettfieber nicht nur von Leichen auf Patientinnen, sondern auch von einer Patientin auf eine andere übertragen werden konnte, führte er eine Händedesinfektion vor jeder Untersuchung ein. Die Mortalitätsrate fiel weiter, auf bisweilen 1,3 % – noch unter jener der Hebammenstation.

Das Semmelweis diese Verbesserungen erreichte, war aber nur ein Teil seiner Leistung. Er erfasste genaue Zahlen der Sterblichkeitsraten und belegte seine Erkenntnisse mit Statistiken. Damit war er einer der ersten Ärzte, die evidenzbasierte Medizin praktizierten, die also wissenschaftliche Methodik anwendeten, um sich in ihrer Heiltätigkeit leiten zu lassen.

Diese Zahlen hatten noch einen weiteren Hintergrund: Semmelweis wollte nicht nur die Mütter seiner Station retten, sondern auch in anderen Kliniken das Kindbettfieber bekämpfen.  Mit harten Zahlen konfrontiert, hätten seine Kollegen eigentlich umlernen sollen.

Aber das taten nur wenige. Semmelweis‘ These wurde von einigen Ärzten mit Begeisterung aufgenommen, doch die meisten lehnten sie lautstark ab. Sie wollten einfach nicht glauben, sie hätten die Leben ihrer Patientinnen gefährdet, und hörten nicht auf den Ungarn. Einige nutzten sogar ihre Macht und ihren Einfluss in der k. u. k. Monarchie, um Semmelweis das Leben schwer zu machen.

Semmelweis starb mit 47 Jahren, vermutlich an einem Gewaltverbrechen. Es dauerte noch viele Jahre, bis umfassende Hygiene zum allgemeinen Standard in Krankenhäusern wurde.

So ist Ignaz Semmelweis heute weitestgehend unbekannt. Doch diejenige, die von ihm wissen, nennen ihnen zu Recht den Retter der Mütter. Mittlerweile haben seine Erkenntnisse Millionen werdender Mütter das Leben gerettet. Mehr und mehr Krankenhäuser errichten ihm Statuen, für gewöhnlich vor ihren Frauenkliniken.

In gewisser Weise profitierte Ignaz Semmelweis aber auch zu seinen Lebzeiten von seinen Erkenntnissen: Seine Frau gebar ihm fünf Kinder und wurde trotzdem 73 Jahre alt.

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