Karl (von) Drais, verrückter Erfinder des Ur-Fahrrads

Name: Karl Friedrich Christian Ludwig Freiherr Drais von Sauerbronn

Lebensdaten: 29. April 1785 in Karlsruhe bis 10. Dezember 1851 ebenda

In aller Kürze: Karl Drais machte den ersten Schritt in der Erfindung des Fahrrads. Seine Laufmaschine erinnert heute eher an ein Laufrad für Kinder, aber sie löste einen ganzen Trend aus und legte das Fundament für die Entwicklung, die uns das moderne Fahrrad gab.

Im Detail: Anders, als wir es uns oft vorstellen, werden große Erfindungen selten von Einzelpersonen gemacht, sondern entstehen in einer Reihe von Schritten. Im Falle des Fahrrads machte Karl Drais den ersten wichtigen Schritt.

Er wurde am 29. April 1785 in Karlsruhe geboren. Seine Eltern kamen aus gutem Hause und Karls voller Name war daher Karl Friedrich Christian Ludwig von Drais von Sauerbronn. Sein Vater Karl Wilhelm Ludwig Friedrich von Drais von Sauerbronn war der badische Hof- und Regierungsrat, seine Mutter war Margarete Ernestine von Kaltenthal, einem schwäbischen Adelsgeschlecht (um Stuttgart).

1790 zog die Familie nach Kirchberg, um dann 1794 in Folge der Französischen Revolution nach Durlach zu kommen. Dort ging der junge Karl auch zur Schule, war aber nicht gerade überragend in seinen Leistungen. So wurde er von seiner Familie quasi in die Forstwirtschaft bugsiert, wo man Kontakte hatte, um den mittelprächtigen Schüler durchs Studium und in eine Anstellung zu bringen. Offiziell war er deshalb ab 1808 Forstinspektor, ab 1810 sogar Forstmeister, machte aber sehr wenig in diese Richtung und wurde trotzdem bezahlt. Seine Beförderung 1810 ging sogar mit einer Freistellung einher, damit sich Karl Drais seinen Erfindungen widmen konnte. 1818 wurde er gar vom Großherzog zum Professor ernannt und bekam ein lebenslanges Gehalt zugesprochen, für das er nicht arbeiten musste.

Dafür beschäftige sich Drais mit dem Erfinden – und das mit großem Eifer. Von Feuerlöschgeräten über eine Kochmaschine bis zur Schnellschreibmaschine war alles dabei. Uns interessiert an dieser Stelle aber seine Laufmaschine.

Schon 1813 entwickelte Drais einen Wagen ohne Pferde, welcher jedoch noch vierrädrig daherkam und mit einer Kurbel angetrieben wurde. 1817 entstand dann die sogenannte Laufmaschine, das Ur-Fahrrad. Diese funktionierte wie ein heutiges Laufrad für Kinder: Man saß auf einem Sattel und trieb sich an, indem man sich mit den Füßen von Boden abstieß.

Karl Drais hatte die Hoffnung, damit die Mobilität von den Pferden unabhängig zu machen. Bspw. stellte er sich Laufmaschinenstaffeln als Kundschafter und Boten beim Militär vor. Tatsächlich entwickelte sich daraus eher eine Modeerscheinung für Studenten. Die nach ihm benannte Draisine wurde vielerorts nachgebaut und auch rasch verbessert. So hatte Drais’ Version noch einen festen Sattel und jeder Reiter brauchte eine individuell gebaute Laufmaschine. Rasch entwickelten andere Erfinder Versionen mit höhenverstellbarem Sattel.

Drais machte zunächst sehr viel Werbung für seine Maschine, dann überrollte ihn die Entwicklung aber geradezu. Auf einer Draisine konnte ein geübter Fahrer Geschwindigkeiten über 15 km/h stundenlang halten, was damals ohne Pferd und Dampfmaschine vollkommen ungekannt war. Entsprechend beliebt wurde das Gerät unter waghalsigen jungen Leuten, und entsprechend kritisch schaute die Obrigkeit auf die ganze Sache. Bald wurden die Draisinen vielerorts verboten und die Nähe zu den (oft rebellischen) Studenten tat ihrem Ruf in der Monarchie auch nicht gerade gut. Nach ein paar Jahren geriet die Modeerscheinung dann wieder in Vergessenheit. Erst spätere Verbesserungen führten zum heutigen Fahrrad und der heutigen Beliebtheit des Fahrrads.

Drais’ Leben ging wild weiter. Von 1822 bis 1827 nahm er an einer Expedition nach Brasilien teil. Wieder in Deutschland zog er mehrfach um, gelegentlich auf Drängen der Obrigkeit, die mit dem leicht verrückten (und zunehmend alkoholabhängigen) Erfinder so ihre Schmerzen hatte. 1848/49 unterstützte Karl Drais gar die Revolution und er verzichtete vorübergehend auf seinen Adelstitel. Ab 1850 sollte er entmündigt werden und seine Schwestern mussten sich um ihn „kümmern“. Ein Jahr später starb er. Heute ist Karl Drais nur geschichtsinteressierten Fahrradenthusiasten ein Begriff. Dafür hat sich das Wort „Draisine“ auf mechanische Schienenfahrzeuge übertragen. Die hat er zwar nicht erfunden, aber zumindest sein Name bleibt somit im Sprachgebrauch. Den verrückten Erfinder würde das vermutlich belustigen.

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