Josephine Cochrane, Erfinderin der modernen Spülmaschine

Name: Josephine Garis Cochrane (geborene Garis, ursprüngliche Schreibweise ihres Namens nach der Hochzeit: Cochran)

Lebensdaten: 8. März 1839 in Ashtabula County, Ohio bis 3. August 1913 in Chicago, Illinois

In aller Kürze: Wenn man will, dass etwas getan wird… Nachdem ihr Porzellan vom Handspülen langsam kaputt ging, wollte Josephine Cochrane eine Spülmaschine kaufen, in der Annahme, so ein Gerät müsse es geben. Da es aber noch keine wirklich funktionsfähige Spülmaschine erfunden war, erfand Cochrane sie einfach selbst.

Im Detail: „Wenn sonst keiner eine Spülmaschine erfindet, mach ich es selbst“, soll Josephine Cochrane verkündet haben, als sie beschloss eine solche Maschine zu entwickeln.

Josephine Garis wurde am 8. März 1839 in Ohio geboren, wuchs aber in Valparaiso, Indiana auf. Sie stammte aus technisch versiertem Hause: Ihre Mutter war nur Hausfrau, aber ihr Vater John war als Bauingenieur in einem technischen Beruf, was für ihren späteren Erfindergeist sicher prägend war. Ihr Urgroßvater, John Fitch, war ebenfalls Tüftler gewesen und hatte sogar das erste Dampfschiff der Vereinigten Staaten gebaut. Die beiden begegneten sich allerdings nie, weil er Jahre vor ihrer Geburt verstorben war.

1858 heiratete Josephine Garis in Shelbyville, Illinois einen Mann namens William Cochrane und nahm so den Nachnamen an, unter dem wir sie kennen (wenn wir sie denn kennnen). Ihr Mann war zwar als Goldgräber gescheitert, hatte sich jedoch als Händler etablieren können und war zu etwas Wohlstand gekommen. Das Paar hatte zwei Kinder, beide Mädchen, von denen eins schon als Kleinkind verstarb.

Mit steigendem Reichtum zog die Familie 1870 nach Chicago in ein Herrenhaus. Wie damals üblich empfingen die Cochranes regelmäßig Besuch. Nach einem solchen Empfang fiel Josephine Cochrane auf, dass ein paar kostbare Porzellanteller beim Abspülen durch die Dienstmädchen immer weiter abnutzten. Darunter waren sogar Erbstücke. Also entschied die erfindungsreiche Dame, es müsse doch eine technische Lösung geben, die gleichzeitig den Hausfrauen diese Arbeit abnehmen und das Porzellan schonender abspülen könnte.

Ihre Suche nach so einem Gerät blieb erfolglos. Die ersten Erfindungen in diese Richtung waren schon vor einigen Jahrzehnten patentiert worden, doch keine hatte sich durchsetzen können, weil keine sonderlich gut war. Man munkelt vermutlich zurecht, dass die Schwächen dieser frühen Spülmaschinen daher rührten, dass sie allesamt von Männern erfunden worden waren. Die kannten sich damals mit dem Geschirrspülen überhaupt nicht aus und wollten hier den Frauen zeigen, wie diese ihre Arbeit besser machen könnten. Leider waren diese Herren nicht so kompetent, wie sie selbst dachten.

Insofern musste Cochrane feststellen, dass es einfach noch keine wirklich praktikable Spülmaschine gab. Daher ihr Zitat oben: Niemand sonst tat es, also musste hier eine Fachfrau ran.

Mit diesem Ziel ging Josephine Cochrane an die Arbeit. In einem Schuppen hinter ihrem Haus in Shelbyville entwickelte sie mit Hilfe eines Mechanikers eine ganz neue Spülmaschine. (Besagter Mechaniker wurde später auch der erste Angestellte von Cochranes Firma, die die Maschinen in Serie fertigte.) Sie entwickelte spezielle Fächer, in denen verschiedene Besteck- und Geschirrsorten einsortiert werden konnten. Auch dass Spülmaschinen ihr Spülwasser von unten gegen das Spülgut spritzen, war eine ihrer Entwicklungen. Das Ergebnis war eine effiziente Spülmaschine, die erste ihrer Art. Am 28.12.1886 erhielt Cochrane das Patent auf diese Erfindung.

Die Garis-Cochran Manufacturing Company verkaufte die Maschinen sofort mit einigem Erfolg. Der wirklich große Durchbruch kam 1893, nachdem Cochrane ihre Erfindung auf der Weltausstellung in Chicago vorführen konnte: Mehrere Restaurants auf dem Gelände spülten Geschirr und Besteck mit der neuen Technik. Die Vorführung war so überzeugend, dass Josephine Cochrane den höchsten Erfinderpreis der Messe erhielt.

Hausfrauen entlastete sie zunächst allerdings nicht, denn ihre Geräte brauchten fließend warmes Wasser, was damals in Privathaushalten eine Seltenheit darstellte. Zunächst blieben sie daher auf professionelle Anwender beschränkt (z. B. Hotels, Restaurant oder Krankenhausspeisesäle) – erst nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Warmwasser in amerikanischen Haushalten zur Norm. Außerdem gingen mehr und mehr Frauen in die Arbeitswelt und hatten damit sowohl das Geld, als auch die Motivation, ihre Hausarbeit zu vereinfachen und zu automatisieren. (Heutige Spülmaschinen brauchen übrigens in der Regel nur kaltes Wasser und können es selbst erhitzen.)

Josephine Cochrane verstarb am 3. August 1913 in Chicago im Alter von 74 Jahren. 2006 wurde sie posthum geehrt: Sie hat seitdem einen Eintrag in der amerikanischen National Inventors Hall of Fame.

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