Murphys Kollegen und ihre Gesetze (Nachnamen D bis H)

Der Autor von Murphys Gesetz, Edward A. Murphy, Jr., war nicht der einzige Unprominente, dessen Name durch einen weisen Ausspruch in die Annalen einging. Wir präsentieren hier eine Reihe solcher Gesetze – in diesem Teil für die Nachnamen von D bis H. (A bis C finden sich hier.)

Wir beginnen mit Doctorows Gesetz. Der Blogger und Journalist Cory Doctorow kommentierte damit Kopierschutz und ähnliche Cyberschlösser: „Wann immer jemand gegen deinen Willen ein Schloss vor etwas hängt, was du besitzt, und dir nicht den Schlüssel gibt, tut er es nicht zu deinem Wohl.“

Abstrakter ist da die Erkenntnis des Autors, Kinderarztes und Kritikers der Systemtheorie John Gall. Das Gall’sche Gesetz besagt: „Ein komplexes System, das funktioniert, stellt sich stets heraus als entwickelt aus einem einfachen System, das funktionierte.“ Will heißen: Man kann komplexe Systeme nicht in einem Schritt von Null entwickeln.

Der Autor Michael Crichton benannte den Gell-Mann-Amensie-Effekt nach dem Physiker und Populärwissenschaftler Murray Gell-Mann. Er beschreibt folgendes Phänomen: Wenn man in einem Medium einen Artikel über ein Thema liest, mit dem man sich gut auskennt, fallen einem manchmal horrende Fehler und vollkommenes Unverständnis des Journalisten auf. Dann blättert man weiter und hält den Rest der Artikel für glaubwürdig, weil er sich um Gebiete dreht, die man weniger gut kennt. Man hat das Scheitern der Redaktion beim nächsten Artikel schon wieder vergessen.

Schon 1990, bevor die meisten von uns Internet hatten, bemerkte der Anwalt Mike Godwin: „Wenn eine Diskussion im Netz länger wird, geht die Wahrscheinlichkeit eines Vergleichs mit Nazis oder Hitler gegen 1.“ Wir nennen dieses Phänomen Godwins Gesetz und es scheint mit der Zeit abgenommen zu haben. Allerdings ist es schwer zu beurteilen, ob das eher am Fortschritt der Netikette liegt oder an dem Rückschritt, dass mehr und mehr Leute im Netz die Nazis und Hitler als nicht so schlimm empfinden.

Der Ökonom Charles Goodhart gab uns Goodharts Gesetz: „Wenn ein Maß zum Ziel wird, ist es kein gutes Maß mehr.“ Das klassische Beispiel ist eine Firma, die die Effizienz ihres Telefonsupports daran bemisst, wie schnell die Kunden bedient werden können. Das ergibt Sinn. Doch sobald die Firma es zum Ziel für ihre Angestellten erklärt, Kunden möglichst schnell abzuwickeln, wird sie sehr wütende Kunden haben, weil das bloß dafür sorgt, dass die Mitarbeiter die Kunden möglichst schnell abspeisen wollen. Im öffentlichen Diskurs kennen wir das von der Arbeitslosenstatistik. Man kann ökonomische Gerechtigkeit etwas an der Arbeitslosigkeit abschätzen. Seit wir es aber zum Ziel erklärt haben, die Arbeitslosenzahl zu minimieren, ist dieses Maß unsinnig geworden. Jetzt tut die Politik alles, um diese Kennzahl zu reduzieren, indem mehr und mehr Leute nicht berücksichtigt werden.

Auf wen Hanlons Prinzip zurückgeht, ist unklar. Vermutlich war es Robert J. Hanlon, aber andere schreiben es einer Verballhornung des Science-Fiction-Autors Robert A. Heinlein zu. In jedem Falle besagt es: „Führe nie auf Böswill zurück,  was adäquat durch Dummheit erklärbar ist.“ Es geschieht einfach viel mehr Unheil in der Welt aufgrund von Dummheit, Denkfaulheit oder Pech als aufgrund von böser Absicht. Hanlons Prinzip ist besonders wichtig für den Umgang mit Verschwörungstheorien.

Vergleichbar damit ist vielleicht Hitchens Pinzip. Der Autor und Journalist Christopher Hitchens formulierte damit, warum die Belegpflicht bei jenem liegt, der eine Behauptung aufstellt: „Was ohne Belege behauptet wird, kann ohne Belege verneint werden.“

Jeder, der schon einmal einen Zeitplan erstellen musste, kann vermutlich Hofstadters Gesetz bestätigen: „Man braucht immer länger, als man denkt, selbst wenn man Hofstadters Gesetz berücksichtigt.“ Der Wissenschaftler Douglas Hofstadter stellte dieses selbstreferentes Gesetz auf.

Zum Abschluss eine Weisheit des Philosophen Eugene Gendlin, die von dem Blogger und Rationalisten Eliezer Yudkowsky als Litanei von Gendlin bezeichnet wird. Sie ist ziemlich lang, weshalb sie am Ende dieses Artikels steht, auch wenn sie alphabetisch früher hätte kommen müssen. Außerdem ist sie ziemlich poetisch, weshalb man sie recht frei übersetzen muss, um ihr volles Potential zu vermitteln. Meine Übersetzung wäre:

Was wahr ist, ist bereits wahr.

Es zu akzeptieren macht es nicht schlimmer.

Es abzustreiten macht es nicht falsch.

Und weil es wahr ist, betrifft es mich.

Alles Nicht-Wahre kann mir nie begegnen.

Ich kann ertragen, was wahr ist, denn ich tue es jeden Tag.

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