Carl Barth, der ursprüngliche „alte Freund und Kupferstecher“

Name: Carl Barth (auch: Karl Barth)

Auch bekannt als: „mein lieber/alter Freund und Kupferstecher“

Lebensdaten: 12. Oktober 1787 in Eisfeld bis 12. September 1853 in Kassel

In aller Kürze: Carl Barth war Zeichner und Kupferstecher. Sein langjähriger Freund, der Dichter Friedrich Rückert, begann seine Briefe an Barth mit den berühmten Worten: „Mein lieber/alter Freund und Kupferstecher…“

Im Detail: Wir hatten schon Victor Hase, dessen Name Hase war und der von nichts wusste, und Günter Neumann, der Otto Normalverbraucher erfand. Nun ist mit Carl Barth der ursprüngliche „alte Freund und Kupferstecher“ dran.

Carl Barth wurde 1787 in Eisfeld geboren. Wie damals üblich ging er zunächst in denselben Beruf wie sein Vater, welcher im Nachbarort Hildburghausen Goldschmied war. Er konnte die Lehre abschließen, aber Carl Barth wollten dann doch in eine andere Richtung. Er war begabt genug, dass er in das entfernte Stuttgart ziehen konnte, um Kupferstecher zu werden. Nach dieser Ausbildung zog Barth 1814 nach München und arbeitete dort als Zeichner und Kupferstecher. Er bildete sich trotzdem noch weiter und besuchte nebenbei die Kunstakademie in der bayrischen Hauptstadt.

An dieser Stelle fragen sich vielleicht einige Leser: Was ist eigentlich ein Kupferstecher? Der Kupferstich ist ein Kunstverfahren, bei dem man ein Bild in eine Kupferplatte ritzt. Diese Fläche wird dann als Druckplatte verwendet, um das Bild auf Papier zu drucken. Auf diese Weise wurden Bücher illustriert. Weil Kupfer sehr hart ist, kann man sehr dünne Linien in direkter Nähe voneinander einritzen und sehr detaillierte Bilder erschaffen. Zum Vergleich denke man an Holz: Weil Holz weicher ist, sorgen zu eng liegenden Linien dafür, dass das Holz zwischen den Linien einfach wegbricht.

Dass es ein Druckverfahren ist, bedeutet, dass man viele Exemplare des Bildes erzeugen kann. Mehr noch, durch Abzeichnen eines existierenden Bildes auf eine Kupferplatte und anschließenden Kupferstich kann man von einem Bild viele, viele Kopien erzeugen. (Daher haben wir den Begriff „abkupfern“.) Kupferstecher waren also bildgebende Künstler. Als ein solche Künstler war auch Carl Barth tätig, weshalb sein zweiter Beruf als Zeichner hier durchaus artverwandt war.

Was Carl Barth zu einem Unprominenten macht, war seine langjährige Freundschaft mit Friedrich Rückert, welchen er 1817 oder 1818 kennengelernt hatte. Rückert war ein erfolgreicher Dichter und absolute genial in Sprachen (er befasste sich mit über 40 Sprachen). Über die Jahre trafen sie sich immer wieder und Barth schuf viele Zeichnungen und Stiche von Rückert und dessen Familie (der Dichter und seine Frau hatten zehn Kinder).

(Dieses Bild von Rückert wurde von Carl Barth geschaffen, ist allerdings leider ein Stahlstich und kein Kupferstich.)

Sie standen auch im regelmäßigen Briefwechsel. Und Rückert machte es sich zur Angewohnheit, seine Schreiben an Carl Barth mit den Worten zu beginnen: „Mein lieber Freund und Kupferstecher…“, oder seltener: „Mein alter Freund und Kupferstecher…“

Letztere Variante wurde zum geflügelten Wort, vermutlich auch deshalb, weil sie ironisch verwegen klang. Denn das Abkupfern wurde auch oft verwendet, um Banknoten zu fälschen. Jemanden, der gar kein Kupferstecher war, als solchen zu bezeichnen, klang es bisschen wie „du alter Halunke“.

1820 zog es Carl Barth zurück in die Heimat und er ging wieder nach Hildburghausen, wo er den Großteil seines weiteren Lebens verbringen sollte.

Friedrich Rückert starb einen Tag vor Silvester 1835 in Schweinfurt. Carl Barth erkrankte im höheren Alter zunehmend an Depression, einem Leiden, das man damals noch kaum behandeln konnte. Am 12. September 1853 verstarb er daran in Kassel durch Suizid.

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